Schlagwort-Archive: Täufer

Zofingen 1532 : Handlung oder Acta gehaltner Disputation

tofingen_1532Handlung oder Acta gehaltner Disputation und Gespräch zuo Zoffingen inn Bernner Biet mit den Widertöuffern. Geschehen am ersten Tag Iulij im M. D. XXXII., Zürich (Christoph Froschauer) 1532. [VD 16 H 501, Vischer C 213]. → e-rara

Unter den grossen Berner Täufergesprächen (1528, 1531, 1532, 1538) zeitigte die grosse Zofinger Täuferdisputation vermutlich die nachhaltigsten Rechtsfolgen.  Die Kirche setzte neben Berchtold Haller, Sebastian Hofmeister und Kaspar Megander den soeben bekehrten Täuferlehrer Hans Pfistermeyer und Andreas Rappenstein ein, gegenüber 23 Täufern unter Martin Weniger (gen. Lincki) aus Schaffhausen. Das Gespräch dauerte zehn Tage und verlief vergleichsweise herzlich. Die Pfarrer nannten die Täuferführer «Brüder». Zwischendurch gab es manche Einigungspunkte. Die Täufer erklärten sich als Sieger, Rat und Prädikanten wollten das Urteil dem Leser des gedruckten Protokolls überlassen. Tatsächlich gab das Gespräch den Täufern wieder Auftrieb, was den Rat veranlasste, seine Massnahmen mit umso grösserer Schärfe anzuwenden. •

Johannes Kymäus : Wider die hoch genante heiligkeit der München und Wiedertäuffer 1537

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Johannes Kymeus: Ein alt christlich Concilium fur zwelff hundert Jaren zu Gangra inn Paphlagonia gehalten wider die hoch genante Heiligkeit der Mönchen und Widerteuffer …, Item ein alt wunderbarliche Geschicht und auffruhr, von denen die Christum an Jüden und Heiden rechen wolten, Wittemberg, 1537.
[VD16 K 2866]                                                                                        → BSB München
Johannes Kymäus (1498–1552), ehemaliger Franziskanermönch, evangelischer Pfarrer in Homburg (Hessen), später Superintendent in Kassel. In seinem 1537 erschienenen Büchlein «Ein alt Christlich Concilium», zu welchemMartin Luther ein Vorwort beisteuerte, bemüht der die im Jahre 355 abgehaltene Synode von Gangra, um die Täufer und deren Lehre anzugreifen.•

Die Armenpflege der ersten Täufergemeinden im Jura •

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Leberbergisches Wochenblatt 1817 (Bild)

1817 gibt das Leberbergische Wochenblatt, die amtliche Publikation des Berner Juras, eine überaus positive Beschreibung der einheimischen Täufer:
«Die Wiedertäufer in dieser Gegend sind religiöse, friedsame Leute von einfachen, ehrbaren und sanften Sitten, sie beobachten mit Genauigkeit die Pflichten des häuslichen Standes, und der Vater, das Haupt der Familie, steht bei allen Gliedern derselben in einem patriarchalischen Ansehen, welches heilig in Ehren gehalten wird.
Man hört auch nie etwas von Unordnung oder Zwistigkeiten in ihren Haushaltungen; wenigstens haben die Tribunale vie etwas mit ihnen zu schaffen. Die Wiedertäufer verstehen sich gut auf den Landbau, auch haben die Lehen (Pachtgüter) seit ihrer Ansiedlung in diesem Lande sehr an Wert zugenommen, das ist eine unwiderlegbare Tatsache. […]
Kein Armer betritt ihre Hausschwelle, den sie nicht hilfreich unterstützen und getröstet von sich lassen. Für ihre eigenen Armen haben sie eine Hilfskasse, aus alljährlichen freiwilligen Beiträgen gebildet, und die Art, und Weise wie sie Armen unterstützen, ist sehr zweckmässig und verdient Nachahmung.» 

In der Tat war die Armenpflege eine der ersten Aufgaben, die sich die Täufergemeinden seit ihrem ersten Auftreten im Jahre 1525 zum Ziel setzten. Die Mittel brachten sie aus freiwilligen Gaben nach apostolischem Vorbild auf («Liebeskommunismus»). Zur Verwaltung der Beiträge wurden Armendiener (Diakone) eingesetzt.

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Kassenbuch der Armengutsverwaltung Büderichgraben (Combe de Péry). Die älteste Eintragung datiert von 1741.

Glücklicherweise haben sich die Kassenbücher der Armenpflege der ersten Täufergemeinden im Jura erhalten, so wie etwa jene vom «Sonnenberg
», die in einem tragbaren Sekretär aufbewahrt, vom Armendiener jeweils an seinen Nachfolger weitergegeben wurde.
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Tragbarer Sekretär, der dem Armenpfleger auf dem Sonnenberg zur Aufbewahrung von Dokumenten und Bargeld diente  (Archiv der Konferenz der Mennoniten der Schweiz (AKMS) in Jean Guy, Corgémont

Es ist das Verdienst von Pierre und Lydia Zürcher, Tramelan, dass sie diese einzigartigen Zeugnisse täuferischer Solidarität, an der übrigens nicht nur Angehörige der Täufergemeinden teilhatten, sichergestellt, entziffert und in Form einer gut lesbaren und sorgfältig ausgestatteten Broschüre von 96 Seiten für die Nachwelt erschlossen haben.

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→ Inhaltsverzeichnis (PDF)
Leseprobe Kapitel 7 (PDF)

Das Heft (deutsch oder französisch) kann zum Selbstkostenpreis von CHF 25. – zuzüglich Versandkosten bezogen werden bei:

Pierre Zürcher, Primevères 5. 2720 Tramelan (pierre-zuercher[@]bluewin.ch)

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