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Isabel Reindl 2010 : Georg Lemberger

Georg Lemberger 1520: Bekehrung des Paulus. Flügelaltar im Nordquerhaus des Naumburger Doms. Aufnahme: Jörg Blobelt (wikimediaCC BY-SA 4.0)

Isabel Reindl : Georg Lemberger – Ein Künstler der Reformationszeit – Leben und Werk, Bamberg 2010
OPUS 4 Text- und Katalogband (PDF)

«Georg Lemberger (*1495-1500/Landshut, † ca.1540/Magdeburg?) ist allgemein, aber auch dem kunstgeschichtlichen Fachpublikum bis heute eher unbekannt. Das mag daran liegen, dass der Künstler weniger als Maler – als der er wiederholt aktenkundig wurde – sondern vielmehr als Reißer und Schneider für den illustrierenden Buchholzschnitt nachweisbar ist. So steht wenigen bekannten Tafelbildern und Zeichnungen von seiner Hand ein höchst umfangreiches druckgraphisches Werk gegenüber. Vor allem die Tafelbilder, aber auch die Zeichnungen und Holzschnitte zeugen von Lembergers Können und innovativer Schöpfungskraft. So entwickelte er auf althergebrachten Themen und Bildschemata aufbauend ganz neue Bildprogramme und –inhalte, was wohl in erster Linie mit den seinerzeit brandaktuellen Ideen und Glaubensgrundsätzen Martin Luthers zu tun hatte. Mit diesen sah sich der Künstler spätestens seit der Verlagerung seines Lebens- und Arbeitsmittelpunktes nach Leipzig in den 1520er Jahren direkt konfrontiert. Als Anhänger der lutherischen Lehre persönlich in die ursächlich von Mitteldeutschland ausgehenden glaubenspolitischen Auseinandersetzungen involviert und letztlich durch Herzog Georg den Bärtigen aus Leipzig verbannt, mag es nicht verwundern, dass Lemberger wohl zeitlebens versuchte, eine speziell reformatorische Bildsprache zu entwickeln. Neben ikonographischen Neuerungen , welche ihrer inhaltlichen Komplexität wegen nur zum Teil – wenn, dann aber erhebliche – künstlerische Nachfolge fanden, kommt Lemberger vor allem auch eine Vermittlerrolle bzgl. süddeutschem Formengutes zu. So brachte er als Verwandter Hans Leinbergers und Schüler Albrecht Altdorfers den „expressiven“ Stil und die Naturauffassung der sogenannten Donauschule im mitteldeutschen Raum zur vollen Entfaltung. Sowohl stilistisch als auch motivisch beeinflusste Lemberger denn auch diverse andere gefragte Meister des Buchholzschnitts, wie etwa die Monogrammisten HB (Hans Brosamer?), AW, CS oder auch den in Schwerin tätigen Bruder seines einstigen Lehrmeisters, Erhard Altdorfer. Wenn Hans Leinberger und Albrecht Altdorfer allgemein als stilbildende Hauptvertreter der sogenannten Donauschule im Bereich der Plastik und Malerei gelten, so darf Lemberger getrost als ebensolcher für den Holzschnitt bezeichnet werden. Bei eingehender Beschäftigung mit der Materie ist sein „grenzüberschreitender“ Einfluss über die bisweilen noch heute vehement gezogene (süd-)bayerische Landesgrenze hinaus höchst bemerkenswert und noch viel zu wenig gewürdigt. Die vorliegende Studie beschäftigt sich nach Ludwig Grotes Dissertation der 1930er Jahre erstmals in ausführlicher Form mit dem Leben und Werk dieses in Vergessenheit geratenen Zeitgenossen Lucas Cranachs. Es war das Anliegen, die bisherigen Einzelerkenntnisse verschiedener Forschungsbeiträge umfassend zusammenzuführen und unter Heranziehung der überkommenen archivalischen Quellen vertieft zu betrachten. Zugleich wird das Werk erheblich ergänzt und durch ausstehende ikonographische und stilistische Analysen neu bewertet. Von grundlegender Bedeutung für die Forschung ist darüber hinaus der umfangreiche Gesamtkatalog mit Abbildungen, welcher es erstmals ermöglicht, einen umfassenden Überblick über das künstlerische Schaffen Georg Lembergers zu erhalten.» •